News über neue Releases von ENGELSBLUT

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Rezension zu ‚Abschiedsbrief‘

Philemaphobia hat in ihrem Last.fm Blog eine Rezension veröffentlicht, die weit mehr ist, als eine solche. Aber lest selbst, was sie zu schreiben hat:

‚Abschiedsbrief‘

Ich besitze ein zweifelhaftes Talent. Zur genau richtigen Zeit greife ich in der Buchhandlung zum genau richtigen Buch. Nach den ersten Seiten schon finde ich mein aktuelles Leben im Buch wieder, selbst wenn der Klappentext etwas Anderes beteuerte(weil man ja eigentlich was ganz Anderes wollte, ein bisschen Ablenkung, ein bisschen Zerstreuung)
Ich wähle zufällig, ein Gedicht, eine Kurzgeschichte, ein Zitat(!)… es ist das Richtige

Ich dachte immer das kann ich nur bei Büchern, aber Engelsblut hat mal wieder bewiesen, dass es mir auch mit Musik passieren kann. Recht wahllos pflücke ich zunächst ein paar Tracks von der neuen Veröffentlichung Abschiedsbrief und ich finde mich nur wieder, nein noch viel mehr. Doch zunächst zum Thema.

Zu allererst fällt auf, das ENGELSBLUT wieder einen Quantensprung gemacht hat, was die Weiterentwicklung angeht. Ruhiger, ja beinahe gefasst, oder muss man schreiben gefestigt – kommt das Album daher.
Wo man früher einen jungen Künstler der mit und gegen seine Gefühle kämpfte begleitet hat und auch musikalisch den Kampf miterleben konnte, die einzelnen Lieder viel schwerer, düsterer und auswegloser waren, spürt man nun sofort die überraschende Veränderung.
Abschiedsbrief ist so klar, so kraftvoll wie es ENGELSBLUT nur sein kann.

So wie ich selbst das letzte Jahrzehnt durchkämpft habe um endlich anzukommen. Und mit diesem Werk bin ich angekommen. Die Reise ist vorbei, in diesem Album bin ich zu Hause.

Nie mehr wird es wie es früher war

das erzählt uns Liebesbrief. Und ja es geht um eine verlorene Liebe, um ein Ende, aber ohne Wehmut, ohne Weltschmerz. Nein geradezu zufrieden, ein Lied um endlich loszulassen, endlich weiterziehen zu können. Loslassen was ohnehin nicht funktioniert. Eine Ermutigung, kein Trauerspiel.

Und selbst das thematisch viel schwierigere Feuer ohne rot ist keines. Im Gegenteil, lyrisch verspielt und mächtig trifft mich das Lied, so tief, dass ich danach erst mal eine Zigarette brauche.

und du schweigst und du schweigst und hörst nicht auf damit

was soll man auch sagen? Es ist eine epische Hymne, die alle früheren Engelsblutsongs von verratener Liebe nicht nur bei Weitem übertrifft sondern grandios zusammenfasst. es gibt da draußen noch andere Lieder mit dem Thema? Wer braucht die noch…

Dieses Album ist insgesamt mit seiner Bildsprache nicht nur sehr „folkig“ geraten, nein, eigentlich ist es schon klassisch romantisch und erinnert an die Bildsprache von Fabeln und Märchen, an die Balladen und Gedichte der großen romantischen Schriftsteller.

Vor allem Herbstgedicht muss man da wohl nennen, wo schon nicht mehr klar ist ist die Jahreszeit nun personifiziert oder eine Person zum Herbst verwandelt worden.
Zumindest wird mir mitten im Winter, wo ich nach draußen in eine schwarz-weiße Welt schaue so mindestens 15°C wärmer. Wirklich ein Gedicht, dass ich mir fast sehnsüchtig wünsche wir hätten Oktober, und gleichzeitig erinnere ich mich an eine bestimmte Person. Eine längst vergessen geglaubte Erinnerung die Herbstgedicht aus mir herausgekitzelt hat

Sie wissen nicht was sie nicht sehn
Sie lesen nicht
und hören keine Melodien

Die Prinzessin der Nacht… und unwillkürlich denke ich an meine nächtliche Arbeit, an die ganzen betrunkenen und pöbelnden Gestalten, für die ich Mittel zum Zweck ( Thekenfee zum Alkohol) darstelle… und wie sehr mir manchmal der intellektuelle Anspruch fehlt ( Oh, eigentlich liebe ich meine Arbeit… aber ich ertrage trotzdem nur eine begrenzte Anzahl alkoholisierter Sprüche am Abend) Oft sitze ich allein zwischen den an- und betrunkenen Menschen und frage mich warum ich sie nicht verstehe. Bin außen vor obwohl mittendrin.

Prinzessin der Nacht… hat mich erwischt, frontaler Treffer!

sind wieder am Abgrund
und wieder allein
wir wollten eine Ewigkeit
und nun sagst du Nein

Ohne Dich bin ich allein

Danke Engelsblut für das mühevoll aufgetragene nun völlig verwischte Make-Up.
Seit Tagen irre ich mit dem Gefühl dieses Songs durch das schneeverstopfte Wuppertal… normalerweise kann ich weinen, kann ich Wutanfälle und hysterisches Lachen zusammenstottern wenn ich traurig bin.
Nichts davon ging in den letzten Wochen, da war nur dieses Loch. Selbst wenn er noch nicht ganz gegangen ist, von mir ist er fort.
Das hat mich betäubt, oder vielleicht passt bei diesem Wetter eher das Wort: eingefroren.

Aber Du brichst mein Herz hat mich aufgetaut und ich konnte wenigstens ein bisschen davon verpacken, einpacken, auspacken, loslassen. Ich werde es noch oft hören bis es vorüber ist… ich warte bis mich der Schmerz einholt… diesmal ging es so schnell, dass er nicht nachkommt, ist im Schnee stecken geblieben, hat seine Schuhe verloren und rennt mir jetzt barfuß durch die Schneewehen hinterher. Er wird kommen, dieses Lied hat mich daran erinnert… zum Glück

Wüstensand hat mich von einer Woge Mitgefühl erfüllt.

Auch wenn die Sonne immer scheint
ist die Nacht das was ich such

Wenn ich demnächst die Zeit finde, mir auch den Rest von Abschiedsbriefe anzuhören… ein berührenderes Lied, ein stilleres und gefühlvolleres Lied kann es nicht bieten können.

Bin ich nicht wunderbar gefühlsduselig heute? Egal… ich muss das heute loswerden… das ich mitten in einer schwarzweißen Winterwelt ausgerechnet von einem Lied umgehauen werde die das ganze Gegenteil meiner Welt da draußen vor dem Fenster ist… die Melancholie ist die Gleiche…

Ich frage mich schon lange wie das sein kann… egal wie sehr sich Engelsblut verändert, egal welche Veränderung man als Hörer mitmacht. Wie schafft es Engelsblut mir anscheinend immer aus der Seele zu singen?

Und damit kommen wir zur Universalüberlegung von Philemaphobia

Viele Tränen hab ich geweint
völlig umsonst
der Wind zieht weiter
doch es kommt kein Reiter
der mich mit sich nimmt

Seit drei Tagen gehöre ich sogar ganz offiziell zu den ganzen Frauen auf der Welt die sich den Prinz auf dem weißen Pferd wünschen… ich fand dieses Bild immer unglaublich kitschig und dann hab ich mich selbst dabei erwischt, wie ich gedacht habe… warum kommt mich niemand retten…. wenn es schon kein Prinz ist… Mädchen schafft es auch.

Und das ist die Wahrheit, so traurig sie ist

Mädchen- Das ist meine persönliche Hymne über diese verdammte Suche nach einer Liebe, der einen Liebe die real bleibt.

Sind wir noch Freunde? Vielleicht ja, vielleicht auch nicht.

‚Du‘ stellt genau die richtigen Fragen und hat auch noch die richtigen Antworten parat.
Mit Leichtigkeit – so scheint es- findet der Mann mit der unvergleichlichen Stimme die Worte die jedem Liebendem immer wieder im Kopf herumspuken aber in den Labyrinthen der Gedanken hängen bleiben und niemals den Weg nach draußen finden.

Einfach nur reden

ist eben einfach zu schwer

Ich könnte ewig so weiterschreiben, zu jedem einzelnen Lied, über jedes einzelne Album. Weil ich immer wieder inspiriert werde. Aus all diesen Liedern entstanden viele meiner Texte, weil sie mir den letzten kleinen Anstoß gaben meine eigenen Ideen zu Papier zu bringen.

Wenn es in Das letzte Liedheißt, niemand könne Engelsblut verstehen, dann stimmt das vielleicht, so wie niemand niemanden jemals vollkommen verstehen kann, nicht den besten Freund, nicht den eigenen Bruder oder die eigene Schwester, nicht seine Eltern oder seine Kinder, nicht mal die große Liebe.

Aber vielleicht ist das nicht das Wichtigste?

Ich bin sicher nicht die Einzige der es geht, wie es mir geht.

Ich fühle mich immer wieder aufs Neue von Engelsblut verstanden. Jemand völlig Fremdes schafft es mich da zu berühren, wohin niemand je vorgedrungen ist. Das lässt mich glauben, dass wir Menschen doch keine individualistischen Ungeheuer sein können, dass wir doch etwas gemeinsam haben müssen, dass wir alle diese Sehnsucht teilen.

Von dieser Musik fühle ich mich aufgefangen, geborgen, von ehrlicher, echter ungekünstelter Musik und doch künstlerischen, facettenreichen Texten fühle ich mich aufgefangen.

Und doch ist es dieses mal ganz anders als zuvor. Mit den anderen Alben litt ich mitt, ließ mich von der tiefen Trauer und der dunklen Melancholie in die Zerissenheit hinabziehen. Das funktioniert auch, es hilft auch, doch es gibt eine viel bessere Methode der „Musiktherapie“ und die liefert Abschiedsbrief.

Denn von Todestrauer und Zerrissenheit ist hier nicht viel zu spüren. Dagegen spürt man eine unheimliche neue Kraft, eine Hoffnung und den Willen mit all den Schrecken der Vergangenheit abzuschließen.

Bis gestern Abend war ich in diesem schwarzen Loch, das alles verschluckt hat und innerhalb einer einzigen durchwachten, von Melodie erfüllten Nacht komme ich als neuer mensch in diesem Jahrzehnt an. Ein neuer Mensch im Spiegel.

Weil dieser Funke überspringt wenn man sich nur traut.
Vielleicht ist das wichtig, zumindest für mich

Mit Dir bin ich frei

Und ich bin unglaublich froh, dass ich es besitze dieses zweifelhafte Talent…

(Mit freundlicher Genehmigung von Philemaphobia)

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Download Spezial: Die frühesten ENGELSBLUT-Demos

Es ist schon ein wenig ulkig, was ich seinerzeit aufgenommen habe, aber die Tendenz zu dem, was aus der Musik von ENGELSBLUT mal werden sollte, lässt sich bei diesen vor über 10 Jahren aufgenommenen Soundschnippseln schon erahnen.

Heute beginne ich mit dem Titel ‚Wandervolk‘ und den dazu gehörigen Lyrics! Viel Spaß damit!

zum Download

Wandervolk

Wir wollen wandern,

wir wollen wandern,

wir sind ein stolzes Wandervolk.

Wir wollen wandern,

wir wollen wandern,

wir sind ein stolzes Wandervolk.

Wir singen lieder

und tanzen Tänze

Wir tragen Mieder,

und haben Schwänze.

Wir sind ein Wandervolk und wir wandern durch die Welt.

jeden Morgen,

wenn der Hahn kräht,

singen wir ein Wanderlied.

Und auch am Abend,

wenn es ist schon spät,

haben wir uns alle lieb!

Es sind die Lieder,

in unsren herzen

vertreiben Kummer

und auch Schmerzen!

Wir sind ein Wandervolk und wir wandern durch die Welt!